Harald Hoffmann de Vere

Seit vielen Jahren wandert Harald Hoffmann de Vere über die lang gestreckte Insel Hiddensee, deren landschaftliche Vielfalt er zu stimmungsvollen Aquarellen und feinsinnigen Gedichten verwebt. Eine Rhapsodie unserer Zeit, poetisch und malerisch zugleich. 

Der Reichtum an Motiven lockte zu Beginn des 20. Jahrhunderts Landschaftsmaler auf das von Wind und Wellen gebildete Eiland zwischen Meer und Bodden. Ihnen folgten Literaten, Musiker und Naturphilosophen. Sie alle fanden sich zu einer Künstlerkolonie zusammen und versuchten, in schöpferischer Arbeit Werke der Malerei, Literatur und Musik zu schaffen, die das Eigenartige und Einmalige der Insel zum Klingen bringen. Viele folgten ihnen. Einschnitte brachten die beiden Weltkriege; das Einzigartige, die Faszination der Insel, blieb – bis heute. 

Harald Hoffmann de Vere

Harald Hoffmann de Vere steht in der Tradition dieser Künstler. Wie sie kam er von außen auf die Insel Hiddensee; er ist gebürtiger Berliner. Seine erste malerische Begegnung mit der Landschaft hatte er am Schlachtensee, der im Südwesten Berlins liegt: Ein Baum wuchs ihm zum Fenster hinein. Ein weiterer Auslöser für die Beschäftigung mit dem Malen von Landschaft war die kleine Insel Schwanenwerder am Wannsee: Ein frühes Inselbild legt davon Zeugnis ab. Während seiner Studienreisen nach Japan – später nach Bali – vertiefte Hoffmann de Vere die Betrachtung der Natur. 

Einen Einschnitt innerhalb dieser Entwicklung hin zur Landschaftsmalerei bildeten in den achtziger Jahren für Hoffmann de Vere aktuelle Themen zur geteilten Stadt Berlin, das darauffolgende Zusammenwachsen seit der Wiedervereinigung sowie der anhaltende Neuaufbau der Stadtmitte Berlins, den der Künstler von seinem Atelier in Berlin-Kreuzberg aus verfolgen kann. Anregende Motive für große, farbintensive Gemälde ergeben sich daraus. Das Erlebnis eines immensen Aufbruchs wird von ihm für den Betrachter sichtbar gemacht und auf einer anderen Ebene verinnerlicht. 

Im Jahr 1993 besucht Hoffmann de Vere zum ersten Mal die Insel Hiddensee. Er ahnte noch nicht, wie ihn dieses Eiland fesseln würde. Auf ausgedehnten Wanderungen lernt er den Inselkosmos kennen. Er verbringt Wochen des Skizzierens und Malens im intensiven Dialog mit der sich ständig verändernden Natur. Sein Leben bekommt einen tieferen Sinn durch das Eintauchen in die Vielfältigkeit des dortigen Lebens. Zugleich beginnt sich auch seine persönliche Welt in der Landschaft zu spiegeln. Damit verbunden sind Freiheit und Ungebundenheit. Seine Suche nach neuen Gestaltungsweisen führt über Poesie und Musik zu Bildern voller Sinnlichkeit der Farbe. Die Form nimmt im Bild Gestalt an. Die Stille auf der Insel – nur unterbrochen durch den ewigen Wellenschlag – wird zum geistigen Freiraum. Nun gilt es, das Gesuchte und Erkannte auch zu gestalten und mit Farbe. Duft und Licht zu beseelen. Diese Insel ist eine Herausforderung für einen Maler, denn die wechselnden Lichtstimmungen rufen einen fast unwirklich zu nennenden farbigen Reichtum an Motiven hervor. Schon zu Zeiten der Künstlerkolonie befassten sich die Maler mit der »besonderen Atmosphäre«: dem »bewaldeten Hochstrand«, den auf der Erde »gereihten Häuschen«, den »grasenden Kühen« und dem Regenbogen. der alles überspannt. Heute wie damals liegt eine Faszination in der »Klarheit der Hiddenseer Luft, deren feiner grauer Silberreiz an schwülen Sommertagen«‘ alles verändert.